Gefragter Mut

Waren Sie schon mal in einem Escape Room? Zwei Gruppen treten gegeneinander an. Gruppe A ist streng hierarchisch – der Chef sagt, er hole sie sofort hier raus. Gruppe B ist sich gewohnt, die Stärken von allen zu nutzen und vertraut darauf, dass die anderen Hinweise sehen, die das einzelne Teammitglied übersieht. Welche Gruppe entkommt wohl eher? Und: In welcher würden Sie lieber mitarbeiten?

Die Antwort scheint offensichtlich, aber trotzdem verhalten wir uns im Alltag oft ganz anders.

Viele Organisationen wechseln in unsicheren Zeiten zu einem autoritären Führungsstil: mehr Befehle, weniger Vertrauen. Diese Reaktion ist tief in uns verankert, aus Zeiten, in denen Bedrohungen anders aussahen: Feuersbrunst, Überfälle durch andere Stämme, wilde Tiere.

Heute sind die Themen so komplex, dass keine einzelne Person sie überblicken kann. Um sie zu bewältigen, müssen wir auf das Vertrauen ineinander zurückgreifen – und auf eine Demut als Führungsperson, dass ich nie alle guten Lösungen finden werde. Es ist die Führung, die mehr Mut braucht.

Der Gemeinderat diskutiert zurzeit über die Zukunft der Departements-Kommissionen. Ihr Potenzial hängt stark davon ab, welche Kompetenzen und Aufgaben ihnen zugewiesen sind. Es ist ein gutes Zeichen, dass sich der Gemeinderat genug Zeit für die Überarbeitung nimmt und keine Schnellschüsse macht.

Am Ende werden wir darüber abstimmen. Ich wünsche mir eine Vorlage, die verstanden hat, dass wir alle gewinnen, wenn wir dem Reflex zum autoritären Führen widerstehen und eine Kultur der Zusammenarbeit fördern.

Wir sind alle in einem riesigen Escape Room. Wir schaffen es nur hinaus, wenn wir das Wissen und Können aller nutzen und aufeinander vertrauen.


Martin Beyeler, Apotheker und Geschäftsleiter Apotheke Unitobler

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