Wer den Zivildienst schwächen will, schwächt die Schweiz. Genau das passiert mit der Verschärfung des Zivildienstgesetzes, über die wir am 14. Juni abstimmen. Befürworter beharren darauf, dass der Militärdienst für Männer die Regel und der Zivildienst nur die Ausnahme sein müsse.
Tatsächlich geht es darum, jungen Menschen das Leben schwerer zu machen, wenn sie sich gegen den Militärdienst und für einen Dienst an der Gesellschaft entscheiden. Wenn so viele trotz 1,5-mal längerer Dienstzeit lieber Zivildienst leisten, sagt das womöglich mehr über die Probleme der Armee aus als über den Zivildienst selbst.
Zivildienstleistende arbeiten in Pflegeheimen, Spitälern, Schulen, Landwirtschaftsbetrieben oder im Umwelt- und Naturschutz. Sie entlasten Personal, begleiten Menschen in der Pflege und leisten Arbeit dort, wo Unterstützung wegen Geld- und Zeitdruck fehlt. Wer diese Einsätze künstlich erschwert, schadet sozialen Institutionen, die längst am Anschlag arbeiten.
Besonders absurd ist die Vorlage, weil die Armee nicht stärker wird, nur weil man den Zivildienst unattraktiver macht. Im 21. Jahrhundert brauchen Armeen nicht einfach möglichst viele Rekruten, sondern gut ausgebildete und motivierte Menschen mit technologischen Fähigkeiten im modernen Cyber- und Drohnenkrieg.
Hinzu kommt ein grundsätzlicher Widerspruch: Noch immer sind ausschliesslich Männer dienstpflichtig. Der Staat zwingt also die Hälfte der Bevölkerung zum Militärdienst und bestraft auch noch jene, die ihren Dienst lieber sozial statt militärisch leisten wollen. Fortschritt sieht anders aus.
Darum am 14. Juni ein klares NEIN zur Änderung des Zivildienstgesetzes.

Michelle Hufschmid-Lim, Historikerin, Gemeinderätin Soziales
